Die IG Architektur ist eine seit zwanzig Jahren aktive österreichweite Interessensgemeinschaft von Architekturschaffenden. Sie ist Impulsplattform für die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur und Architekturpolitik und bringt sich regelmäßig in aktuelle Themenstellungen ein.
➔ Publikation der IG Architektur
Reden wir über Baukultur! Was in Zukunft wichtig wird
IG Architektur (Hg.)
Zwanzig Jahre IG Architektur: Mit der Publikation „Reden wir über Baukultur! Was in Zukunft wichtig wird" feiert die IG Architektur zwanzig Jahre kollektives, solidarisches Engagement für Baukultur
Baukultur ist als gemeinsame kulturelle Leistung nicht Privatsache, sondern physisches Abbild unserer Gesellschaft. Sie beschreibt die Gestalt unseres Lebensraums, aber auch den Prozess seiner Entstehung, Aneignung, Nutzung und Erhaltung. Baukultur ist fest mit dem Alltag aller Menschen verwoben und beeinflusst ihr Zusammenleben und Wohlbefinden. Die Frage, wie wir dieses Zusammenleben gestalten wollen, treibt nicht nur Architekturschaffende und Stadtplanende um, sondern beschäftigt auch weite Teile der Gesellschaft. Anlässlich ihres zwanzigjährigen Bestehens richtet die IG Architektur den Blick in die Zukunft: Welche Themen werden für die Baukultur in den kommenden zwanzig Jahren wichtig sein? Reden wir darüber!
Mit Beiträgen von Wojciech Czaja, Jens S. Dangschat, Franz Denk, Matthias Finkentey, Daniel Fügenschuh, Gabu Heindl, Nikolaus Hellmayr, Angelika Hinterbrandner, Kurt Hofstetter, Susanne Helene Höhndorf, Thomas Kain, Wolfgang Kil, Elke Krasny, Ramona Kraxner, Christian Kühn, Isabella Marboe, Karoline Mayer, Maik Novotny, Paul Ott, Katharina Ritter, Reinhard Seiß, Bernhard Sommer, Lukas Vejnik und Kai Vöckler.
Herausgeberin: IG Archtektur Erschienen im jovis Verlag, Berlin Broschur: 19 × 25,5 cm, 188 Seiten, 47 farb. und s/w Abb. Sprache: Deutsch ISBN: 978-3-86859-760-8 Preis: 32,00€ / für Mitglieder 25,00€
Reden wir über Stadtentwicklung! Zur Wiedereinrichtung des Grazer Amts für Stadtentwicklung.
von Thomas Kain, Studio Magic
Foto: Christina Simmerer
Am 09.06.2022 fand in Graz in Kooperation mit dem Club Hybrid eine Diskussionsveranstaltung statt, die sich mit der Wiedereinrichtung des Grazer Amts für Stadtentwicklung beschäftigt hat. Diskutant:innen waren Johannes Fiedler, Wolfgang Köck, Judith Schwentner, Gerhard Springer und Fabian Wallmüller.
Welche Visionen gibt es für das zukünftige Graz, wer formuliert sie und wie können sie gesetzlich verankert und umgesetzt werden? Nach der Auflösung des Amts für Stadtentwicklung und Stadterhaltung im Jahr 2005 steht aktuell die Möglichkeit im Raum, dieses Amt zu reinstallieren. Aber in welcher Form und wie sollte, oder besser formuliert, wie müsste es in die bestehenden Verwaltungsstrukturen implementiert werden? Und wie viel (alltags-)politische Einflussnahme würde es vertragen?
Im Zuge des New European Bauhaus Festivals hat die IG Architektur die amtierende Vizebürgermeisterin und Stadtplanungsrätin Judith Schwentner, die Architekten Wolfgang Köck und Gerhard Springer, letzteren in seiner Funktion als Kammervertreter für Steiermark und Kärnten sowie den Architekten und Stadtplaner Johannes Fiedler zum Gespräch eingeladen. Die Diskussion findet im Rahmen der Baukulturausstellung und der Diskussionsreihe Talking Heads im Club Hybrid in Graz statt. Fabian Wallmüller, Vorstandsvorsitzender der IG Architektur, gibt in seiner Funktion als Moderator einen kurzen Überblick über die anstehenden raumplanerischen Herausforderungen des Großraums Graz und zeigt anhand einiger Beispiele Möglichkeiten zur Eingliederung eines solchen Amts in bestehende Stadtplanungsstrukturen auf. Schon nach dieser Einführung werden unruhige Stimmen im Publikum hörbar und die Zuhörer:innen schalten sich im Laufe des Abends zahlreich und leidenschaftlich in das Gespräch ein. Die Expert:innen am Podium sehen die Chance auf eine adäquate Stadtentwicklung mittels verschiedener Ansätze. Einer der Sprecher kann sich sehr wohl eine Institutionalisierung in Form eines Amts vorstellen, um resiliente Grundlagen für die Stadtentwicklung zu schaffen. Demgegenüber gibt es aber auch den Vorschlag, diese Arbeit zur Gänze von einem Amt zu lösen und nur über die Zusammenarbeit der Politik mit externen Expert:innen zu regeln. Die divergenten Forderungen der Podiumsgäste bestätigen die Wortmeldung einer Zuhörerin, die betont, wie wichtig es im Zuge baukultureller Arbeit ist, in den dafür geschaffenen Strukturen eine unpolitische und kompetente Moderation zu haben. Diese leistet nämlich unverzichtbare Übersetzungsarbeit.
Die Zeiten ändern sich - wie sie es schon immer getan haben. Aber aufgrund der vom Menschen verursachten Klima- und Energiekrisen geschieht dies viel schneller. Wir müssen unsere Städte anpassen, um die Lebensqualität für künftige Generationen zu sichern. Was macht eine Stadt widerstandsfähig? Welche Instrumente haben wir und wie können wir sie nutzen? Die Veranstaltung wurde im Rahmen des New European Bauhaus Festivals 2022 organisiert.
Ralf Bock zeigte in seinem Vortrag zeitgemäß Möglichkeiten von Siedlungsformen am Stadtrand und in der stadtnahen Umgebung auf, um Wohnen, Arbeiten und Gartenbau wieder in einer zeitgemäßen Form zu kombinieren. Dabei steht der Aufbau einer „Gemeinschaftsgärtnerei“ mit Eigenleistung der Bewohner:innen zur Stärkung der eigenen und lokalen Versorgung im Vordergrund. Historisch nimmt das Projekt Bezug zu den Prinzipien der Wiener Siedlerbewegung der 20er-Jahre, damals hatte die Stadt Wien die Bewegung von unten weitsichtig und klug unterstützt mit dem sogenannten „Wiener Modell“, das auch heute nach 100 Jahren noch hervorragend funktioniert. Laura Lipensky und Bernhard Scharf beleuchteten die Vorteile und Herausforderungen bei der Begrünung bestehender Gebäude und wie wir damit das Mikroklima beeinflussen, Energie sparen und Gesundheit und Wohlbefinden steigern können.
Diskutant:innen waren: Ralf Bock (Architekt, BauWerkStadt Wien) arbeitet mit Gartenbaupioneer Wolfgang Palme gemeinsam an konkreten Lösungen, für einen nachhaltigen und resilienten Lebensstil mit neuen Lebensqualitäten. Laura Lipensky (RATAPLAN) ist Architektin und und hat realitylab als Gestalterin und Begleiterin von sozialen Prozessen im Bereich Wohnbau und Stadtentwicklung gearbeitet. Bernhard Scharf (Green4Cities) ist Senior Scientist am Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau an der BOKU Wien. Moderation: Hubert Huber
➔ Liste IG Architektur
Ergebnisse der Kammerwahl der ZiviltechnikerInnen
von Bernhard Sommer
Nachhaltigkeit, Digitalisierung und die Demokratisierung der Kammerstrukturen: Das sind die Ziele, mit denen die Wähler:innen die neu konstituierten Gremien in die nächsten vier Jahre geschickt haben.
Ohne Gegenkandidat:innen wurde Bernhard Sommer als erster Architekt seit acht Jahren zum Präsidenten und Peter Bauer zum Vizepräsidenten ernannt. Mit Evelyn Rudnicki wurde erstmals eine Frau Sektionsvorsitzende. Mit Günter Katherl wurde ein Gründungsmitglied der IG ihr Stellvertreter. Während Bernhard Sommer und Peter Bauer an der Schnittstelle von Architektur und Ingenieurwesen operieren und damit das bewährte Team der Ära 2014-2018 wieder Verantwortung für das Gemeinsame der Kammer übernimmt, wird die Sektion von zwei Kolleg:innen geleitet, die ihre Erfolge im Architekturwettbewerb erkämpft haben und genau um die Herausforderungen des Aufbauens und Führens eines Architekturbüros wissen.
Noch nie war die Sektion Architektur so jung, nicht zuletzt danke der Vertreter:innen der Liste IG Architektur. So soll diese Funktionsperiode auch eine Zeit der Übergabe an die kommende Generation werden. Gemeinsam ist den nun Verantwortlichen Enthusiasmus, Experimentierfreude und Erneuerungsgeist, sowie durchaus auch Erfahrung beim Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
Demokratisierung wiederum ist DIE Expertise der IG. Ein offener Austausch und höchstmögliche Transparenz wird durch niederschwellige Informationsveranstaltungen gesichert werden.
➔ AG_Flohmarkt
Erfreuliche Nachrichten vom Flohmarkt
von Johannes Zeininger
Foto: Johannes Zeininger
Die AG_Flohmarkt setzt sich regelmäßig für die Interessen unterschiedlicher Beteiligter am Naschmarkt ein. Durch die bisherigen Aktivitäten der Arbeitsgruppe und der Naschmarktgemeinde reagierte die Stadtpolitik und setzte die Entwicklung des Naschmarktareals nach der Absage der umstrittenen Markthalle neu auf. Zur Zeit läuft ein städtebaulich kooperatives Verfahren, das die Rahmenbedingungen eines im Herbst angekündigten internationalen Wettbewerbs zum Naschmarktareal abstecken soll. Auf die zentrale Forderung der Flohmarktnutzer:innen nach Zurücknahme der bereits 2018 verkürzten Öffnungszeiten auf 14 Uhr (bei Corona war dann bereits um 13 Uhr Schluss) wurde nun in einem ersten Schritt die Öffnungszeit auf 15 Uhr verlängert. Damit verbessert sich die ausgezehrte wirtschaftliche Grundlage des Altwarenvertriebs und die Attraktivität des Flohmarkts für Besucher:innen. Der Zugang zu Standplätzen, auch für den Freiverkauf durch Privatpersonen, wird nach bisherigen Restriktionen ab Juni wieder erleichtert. Damit sollen die bisher zahlreichen Leerstellen und langen Wartelisten der Interessent:innen am Flohmarkt vorüber sein.
Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Zielsetzung des aktuellen Verfahrens zeigt jedoch städtebauliche Strukturschwächen. Folgt man bisherigen Studien der MA19, so bietet der Wientalbereich zwischen Gürtel und Karlsplatz ein enormes Potential an öffentlich nutzbaren Raums. Drei dichte Bezirke mit geringen Naherholungsflächen teilen sich das Wiental. Mit dem Hochleistungsknoten Kettenbrückengasse (U4 / U3 neu) entsteht ein zusätzlicher Anknüpfungspunkt. Angemessene Stadtentwicklungsmaßnahmen auf der Höhe internationaler, urbaner Entwicklungen sind hier einzufordern. Eine Fokussierung auf die derzeitige Parkplatzfläche in Verlängerung des Nachmarktareals ist unübersehbar zu kurz gegriffen und wäre eine vertane Jahrhundertchance.
Die AG_Flohmarkt wird sich in den anstehenden städtebaulichen Diskurs dazu verstärkt einbringen.
Die Presseaussendung der Stadt Wien kann hier nachgelesen werden.
Die IG Architektur ist eine österreichweite Interessensgemeinschaft von Architekturschaffenden. Sie ist Impulsplattform für die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur und Architekturpolitik.
Die Mailingliste bzw. das Forum ist ein beliebtes Medium der IG Architektur. Über 4.000 Architekturschaffende und Architekturinteressierte kommunizieren hier regelmäßig miteinander