Newsletter Februar 2022

Monatlicher Newsletter der IG Architektur - Februar 2022
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Monatlicher Newsletter der IG Architektur - Februar 2022

Die IG Architektur ist eine seit zwanzig Jahren aktive österreichweite Interessensgemeinschaft von Architekturschaffenden. Sie ist Impulsplattform für die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur und Architekturpolitik und bringt sich regelmäßig in aktuelle Themenstellungen ein. 


Am 1. Februar wurde das Klima-Camp gegen die Stadtstraße in Wien Donaustadt geräumt. Der Bau eines solchen monofunktionalen Verkehrselements kann kein Konzept einer zeitgemäßen Stadtentwicklung sein. Die IG Architektur zeigt auf, welche Risiken ein solches Projekt birgt und wie wir aus der Vergangenheit lernen können. Foto: Tag der Räumung, Camp Hausfeldstraße © Norbert Mayr

Kommentar 

Stadtstraße ja, aber für alle!

Von Bernhard Sommer und Fabian Wallmüller

Mit Unbehagen verfolgt die IG Architektur die am 1. Februar erfolgte Räumung des Klima-Camps gegen die Stadtstraße in Wien Donaustadt. Auch wenn den Projekten der Stadt Wien gewiss eine hohe Expertise zu Grunde liegt, so hätte man doch die Evaluierung und den Stopp des Lobautunnels durch das Bundesministerium für Klimaschutz, aber auch das Engagement der Klima-Aktivist:innen zum Anlass nehmen müssen, die bisherigen Planungen zu überdenken. Denn eine Straße, so notwendig sie für die städtebauliche Quartiersentwicklung auch sein mag, als ein rein monofunktionales Verkehrselement zu planen – und als nichts Anderes müssen die Pläne einer vierspurigen, in Teilen unterirdisch geführten Schnellstraße interpretiert werden – kann kein Konzept einer zeitgemäßen Stadtentwicklung sein. Und auch wenn diese Pläne demokratisch beschlossen und durch UVP-Verfahren gegangen sind: So etwas ist nicht zukunftstauglich.

Wohin monofunktionale Verkehrsadern führen, zeigt ein Blick nach Paris, das sich mit dem in den 1970er-Jahren angelegten, das Stadtzentrum umkreisenden Autobahnring „Boulevard Périphérique“ ein massives städtebauliches, aber auch soziales Problem eingehandelt hat. Heute arbeitet man hart daran, diese gewaltige, großteils nicht auf Stadtniveau verlaufende Barriere zu überwinden und den Boulevard als zukünftig „schönsten Boulevard von Paris“ wieder zurück in die Stadt zu holen.

Was wir daraus lernen? Straßen sind nicht nur Verkehrsadern, sondern urbane Elemente, die, an die Stadt angebunden, urbane Impulse setzen und öffentlichen Raum schaffen können. Der Wiener Ring ist dafür das beste Beispiel, auch der Wiener Gürtel war derart angelegt und hätte das Potenzial dazu, wenn er aus seiner automobilen Monofunktionalität erlöst werden würde.

Mit Blick auf die Stadtstraße könnte das heißen: Stadtstraße ja, aber nur als angemessen entschleunigte Straße auf Stadtniveau mit einem großzügigen straßenbegleitenden Angebot an öffentlichem Raum und einer Quartiersentwicklung, die sich nicht vom Straßenraum abwendet (Verkehrsbelastungen wie Lärm und Abgase werden sich mit zunehmender E-Mobilität im Wesentlichen bald von selbst erledigt haben), sondern zum Straßenraum ausgerichtet ist und diesen als öffentlichen urbanen Ort aktiviert. Letztendlich offenbaren die jüngsten Geschehnisse um die Proteste gegen die Stadtstraße aber auch ein massives Defizit der Wiener Stadtpolitik, die offensichtlich keine Konzepte hat, mit berechtigter Kritik – übrigens auch von Expert:innenseite – konstruktiv umzugehen. Stattdessen wird auf hart geschaltet, geklagt und geräumt. Hier braucht es ganz entschieden einen Paradigmenwechsel hin zu einer Haltung, die Widerspruch als Teil einer demokratischen Kultur erkennt – und als Bereicherung, um gemeinsam (!) Stadt besser zu machen.


Bild: Berlin Neu-Hohenschönhausen, 1. Platz superwien urbanism ZT mit Studio Boden 


Einladung 

Online-Vortragsreihe der IG Architektur:
Städtebau zum Anfassen – 3x3 Vorträge zur Planungskultur


Die dreiteilige Veranstaltungsreihe zum Thema Städtebau beschäftigt sich mit der praxisorientierten Planungskultur im Bereich Orts-, Stadtentwicklung und dem Städtebau, im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz). Ausgehend von Initiativvorträgen von Planungsbüros aus jeweils drei Ländern können Perspektiven der Planung zu aktuellen städtebaulichen Positionen und Ansätzen verglichen und die vorgefundenen Situationen und Lösungsansätze analysiert und evaluiert werden.
Im Rahmen von drei Vorträgen je Veranstaltung und anschließenden Podiumsdiskussionen stehen die Themen: Maßstäbe, Instrumente und Diskurse der städtebaulichen Planung und Praxis selbst genauso im Fokus wie ihre interinstitutionelle Einbettung und Positionierung gegenüber der Bevölkerung, Verwaltung und Politik.

Programm Teil II: Instrumente und Verfahren: Modellcharakter im Städtebau 
am 24.2.2022, 18:00-20:00

hier online teilnehmen

Architektur und Stadtplanungsbüros sind von Seiten der jeweiligen Stadtverwaltung sehr oft mit einem starren Planungsregulativ konfrontiert. Diese Vorgaben werden meist durch unterschiedliche Instrumente und Verfahrensarten gesetzt, welche (nicht nur) für den Laien manchmal intransparent und beliebig wirken. Grundsätzlich sollen die Verfahren für ein interdisziplinäres Fachgebiet wie den Städtebau so zugänglich wie nur möglich gestaltet werden. Während die Planungskonzepte und der städtebauliche Entwurf durch dreidimensionale Darstellungen und physische Modelle visualisiert werden, definieren sich die Instrumente der Stadtverwaltung durch Widmungen und Baugesetze. Wir wollen die Best-Practice-Beispiele der städtebaulichen Verfahren analysieren und deren Modellcharakter herausstreichen.
An diesem Abend wollen wir folgenden Fragen nachgehen: Welche Instrumente und Verfahren (Methoden) werden aktuell in der Planung eingesetzt? Welche Steuerungsfunktionen können durch sie geleitet und unterstützt werden? Wie ist die Interaktion von Planung und Verwaltung? Was bedeuten diese und worauf muss besonders geachtet werden?

Vortragende: Roland Krebs (superwien) - AT // Melanie Jeannet (Hosoya Schaefer Architects AG) - CH // Björn Teichmann (ARGE Baukultur konkret) - DE
Konzept: Susan Kraupp (skstadtplanung&architektur)
Moderation: Wolfgang Gerlich (PlanSinn)

Nähere Informationen: www.ig-architektur.at


Die neue Taxonomieverordnung der Europäischen Kommission ist mit Anfang 2022 in Kraft getreten. Wie relevant ist sie für Architekturschaffende?

Kommentar der Liste IG Architektur

Wie misst man nachhaltiges Bauen?

Von Bernhard Sommer

Am 1.1.2022 trat die Taxonomieverordnung in Kraft. Ja, die mit den Atomkraftwerken. Sie ist auch für uns Architekturschaffende bedeutend, soll sie doch ein wichtiger Baustein des „European Green Deal“ sein. Das bringt neue Berichtspflichten und strengere Anforderungen an Gebäude mit sich und eine nicht gerade übersichtliche Matrix an erforderlichen Maßnahmen. Die „substantial contribution criteria“ der Taxonomieverordnung sind ein weiterer Versuch, die Nachhaltigkeit messbar zu machen. Wird dieser bürokratische Weg zum Ziel führen? 
Die Abarbeitung von Listen und das Sammeln von Daten verspricht Transparenz, aber die Unübersichtlichkeit dieser Datenmengen und Datenqualtitäten ist selbst intransparent. Nicht zuletzt stellt sich für uns die Frage: wer misst, wer publiziert die Indikatoren? Derzeit sind das Vereine und Firmen, die teilweise wiederum jenen Organisationen gehören, die Zertifikate ausstellen. Das ist alles in Ordnung, solange diese Zertifikate freiwilliges Engagement darstellten. Mit der nun bevorstehenden beinahe Pflicht zur Zertifizierung, sollten die Datensätze transparenter ermittelt und verwaltet werden. Dafür und für weitere Themen wird die Liste IG Architektur in der Kammer eintreten!

Der moderne Holzbau zeigt, dass die ökologischen Aspekte des nachwachsenden Rohstoffes nicht zulasten architektonischer oder bauphysikalischer Ansprüche gehen müssen, sondern diesen ergänzen können. Während der Exkursion werden die Teilnehmer:innen die Produktion von Holz-Modulbauteilen und ihre Anwendung in der Praxis besichtigen. Foto: © MMK www.hybridsolutions.at


Einladung 

Exkursion: Holz-Moduldbau am 10.3.2022

zum Produktionswerk von Handler und zur Baustellenführung Volksschule Moosbrunn von MMK Holz

Die IG Architektur organisiert gemeinsam mit ihren Kooperationspartner Handler und MMK Holz eine Exkursion zum Produktionswerk von Handler und zu einer Baustelle in Moosbrunn von MMK Holz, bei der Holz-Hybrid-Decken eingebaut werden. Die Teilnehmer:innen bekommen einen Einblick hinter die Kulissen der modernen Holzbau- und Modulproduktion.

Programm:
13:00 Abfahrt
14:30 Ankunft bei Handler
14:30-16:00 Führung durch Werk und Besichtigung von Holzbaumodulen
16:00-17:00 Fahrt nach Moosbrunn
17:00-18:00 Führung durch die Baustelle Volksschule in Moosbrunn von MMK Holz
18:00 Rückfahrt nach Wien
ca. 18:30 Ankunft in Wien

Anfahrt 
Je nach Nachfrage, wird ein Bus organisiert (Kosten ca. 20-30 EUR pro Person), Eigenanreise ist möglich.
Mindestteilnehmer:innenzahl: 15 Personen

Anmeldung bis 20.2.2022 unter: organisation@ig-architektur.at
Nähere Informationen: www.ig-architektur.at


Der Flohmarkt als wichtiger Archetyps des Austausches, bringt nutzlos gewordene Dinge zurück in den Gebrauchskreislauf und stellt somit einen Träger der aktuellen re-use-Strategie dar. Die AG_Flohmarkt setzt sich für einen wieder funktionierenden Flohmarkt am Naschmarkt ein. Bild: © Maria Kanzler

Petition

Stopp dem leisen Verschwinden des Flohmarkts

Von Johannes Zeininger

Die mit der Beteiligung der IG Architektur eingebrachten Petition „Stopp dem leisen Verschwinden des Flohmarkts" wurde durch die tatkräftige Unterstützung der Standler:innen und Flohmarktbesucher:innen sowie dem Freundeskreis des Wiener Flohmarkts bereits am 19.10.2021 erfolgreich mit 500 geprüften und zugelassenen Stimmen abgeschlossen. Die Zustimmung am gesamten Naschmarkt war beeindruckend, Standbetreiber:innen und Besucher:innen haben reihenweise unterschrieben. Nun wurden die Petitionseinbringer zur Erläuterung der Petition vor der Petitionskommission im März 2022 aufgefordert. Gemeinsam mit der Aktionsgruppe und der eingebrachten Petition Freier Naschmarkt planen wir einen runden Tisch mit den zuständigen Politiker:innen der Stadt und den Bezirken, dem Marktamt und den Vertreter:innen der beiden Initiativen. Ziel ist es, als Zivilgesellschaft an den angelaufenen Bemühungen der Stadt zur Neustrukturierung des Naschmarktareals über dem Wienfluss mitzureden und Platz für Diskussion und Austausch zu bieten.
Die detaillierten Forderungen der Petition „Stopp dem leisen Verschwinden des Flohmarkts"  können hier nachgelesen werden.

Wir brauchen nun wieder eure Hilfe!
Für die geplante Aktion „Architektur-Schnäppchen“ werden nicht mehr gebrauchte Architekturmodelle gesucht! Sie sollen an unserem Stand, ausgestaltet mit Hilfe der Gruppe „1 M2 MARKT“ wieder in den Architekturkreislauf eingebracht werden und neue Nutzer:innen finden. Aufrufe auf der Mailingliste und nähere Informationen dazu folgen. Bei Interesse bitte eine kurze Nachricht an: organisation@ig-architektur.at

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