Die IG Architektur ist eine seit zwanzig Jahren aktive österreichweite Interessensgemeinschaft von Architekturschaffenden. Sie ist Impulsplattform für die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur und Architekturpolitik und bringt sich regelmäßig in aktuelle Themenstellungen ein.
CAD-Programme sind für Architekturbüros eine große Investition – besonders für Neugründungen stellen Lizenzkosten eine erhebliche Hürde dar. Die Kaufoption galt lange als zukunftssichere Investition, doch die zunehmende Umstellung der Anbieter auf Mietmodelle treibt die Kosten und macht eine langfristige Planung schwieriger. Zudem führt die Marktkonzentration zu einer starken Abhängigkeit von wenigen Herstellern und schränkt den Handlungsspielraum der Büros ein.
Nun stellt auch Graphisoft Archicad ab 1.1.2026 auf ein reines Subscription-Modell um, Kauflizenzen sind nur noch bis 31.12.2025 erhältlich. Übergangsangebote für Bestandskund*innen werden vielfach als wenig attraktiv wahrgenommen. Der Preissprung ist erheblich: Eine Kauflizenzen kostet zur Zeit einmalig etwa 8.400 €. Dazu kommen die Kosten für Wartungsverträge von bisher ca. 700–730 €/Jahr pro Lizenz. Neue Subscriptions liegen bei 2.750–3.100 €/Jahr – besonders für kleine Büros ein harter Einschnitt. Hinzu kommt Unsicherheit über den langfristigen Zugriff auf alte Projektdaten und mögliche Einschränkungen für Wartungsvertragskunden. Auch rechtliche Fragen stellen sich: Wie kann der Zugriff auf Planungsdaten über 30 Jahre sichergestellt werden?
Seit der Kammervollversammlung im November 2024 wird das Thema Lizenzkosten in mehreren Ausschüssen (AS Newcomer, AS Wissenstransfer, AS BIM) behandelt. Es gibt mittlerweile Austausch mit den Nachbarkammern in Deutschland, Ungarn, Tschechien und der Schweiz. Die deutsche Kammer führte eine Umfrage zu CAD-/BIM-Software durch, die auch in Österreich verteilt wurde. In der Kammerzeitung „derPlan“ wurde ein Artikel mit Aufruf zur Diskussion veröffentlicht, ebenso im Forum der IG Architektur. Die jüngste Initiative Archicad 2gether! ruft Büros auf, sich zusammenzuschließen und Erfahrungen auszutauschen, um Planungssicherheit und tragbare Preise zu erreichen. Jetzt ist koordiniertes Handeln gefragt: Bitte unterstützt die Initiative, denn nur gemeinsam können wir eine faire Lösung für die Branche durchsetzen.
Initiative Archicad 2gether! unterstützen und informiert bleiben
Warum soll ich mich als Architekt*in für Ökobilanzierung interessieren?
Thomas Kain
Projekt: Zero-Carbon Futures: AI-Driven Participatory Building Design, Architektur-Biennale Venedig 2025. Foto: Thomas Kain
Die aktuelle EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden schreibt ab 2028 mit Einschränkungen, und ab 2030 umfassend die Angabe des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials im Energieausweis von Gebäuden vor.
Darauf aufbauend wird in Österreich gerade am Entwurf der OIB Richtlinie 7 („Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen“) gearbeitet. Diesen gesetzlichen Grundlagen ist der unausweichliche Fakt vorangestellt, dass das Bauwesen enorm großen Einfluss auf den Ausstoß von CO2-äquivalenten Treibhausgasen hat.
Nicht zuletzt deshalb sind Architekt*innen, gemeinsam mit dem Rest der Baubranche, dazu aufgerufen, den Bestand als Ressource anzuerkennen und ihn zu sanieren. Neue Gebäude sind so zu planen, dass sie Mehrfachnutzungen zulassen und nicht abgerissen werden müssen. Dabei sollen Materialien verwendet werden, die in der Herstellung weniger belastend und in der Verwendung langlebig und wiederverwendbar sind. Die Akteur*innen der Branche müssen sich kollektiv die Frage stellen: Wo setzen wir welche Ressourcen in welchem Maß hinsichtlich ihres Treibhauspotenzials ein?
Die Ökobilanzierung ist in ihrer Anwendung ein Werkzeug, das in die Gesamtheit dieser Überlegungen eingebettet ist und mit ihnen sinnvoll rückgekoppelt werden kann. Spätestens ab dem Zeitpunkt der gesetzlichen Verankerung von Grenzwerten rückt sie als Erweiterung zum Energieausweis an eine sehr prominente Stelle. Je besser Architekt*innen damit hantieren können, umso eher lassen sich die Zusammenhänge von nachhaltigen Typologien (Mehrfachnutzung) und nachhaltigem Materialeinsatz argumentieren. Abgesehen vom Grundwissen, das wir zur Überzeugungsarbeit für ressourcenschonendes Bauen benötigen, stehen wir als Expert*innen bis zu den Knien in den Datenströmen von KI-gestützter Anwendundgssoftware. Und der Pegel steigt sehr rasch. Davon kann man sich auf der diesjährigen Architekturbiennale eindrucksvoll überzeugen.
➔ Veranstaltung IG Architektur in Kooperation mit Fundermax
Workshop: Zukunft gestalten mit Naturmaterialien
19.11.2025, 18:30 Uhr, IG Architektur
Nachhaltigkeit beginnt mit dem Material. Fundermax und die IG Architektur laden zu einem Workshopabend rund um ökologische Oberflächen ein.
Im Mittelpunkt des Workshops stehen Naturmaterialien, ihre Herstellung und die Frage, wie sie verantwortungsvoll in Architektur und Design eingesetzt werden können. Im Anschluss an eine kurze Einführung in Herstellung und ökologische Eigenschaften verschiedener Materialien lädt der Workshop dazu ein, aktiv mitzudenken und mitzugestalten. Im gemeinsamen Austausch diskutieren wir, welche Anforderungen und Potenziale Naturmaterialien wie Stein, Kork, Holz, Linoleum, Gräser, Leder, Baumwollfasern und Textilien als Oberflächen in der Praxis bieten – und wo Entwicklungsmöglichkeiten liegen.
Der Abend bietet Raum für Austausch, Inspiration und fachlichen Dialog – begleitet von Snacks und Getränken.
Wir freuen uns auf Ihre Impulse und auf einen gemeinsamen Blick in die Zukunft nachhaltiger Materialien.
Ort: IG Architektur, Gumpendorfer Straße 63B, 1060 Wien Zeit: Mittwoch, 19. November 2025, 18:30 Uhr
➔ Save the Date
Einladung zur Christmas Bar
Am 03.12.2025 lädt die IG Architektur zum Feiern ein
Wie jedes Jahr findet im Dezember die Chrismas Bar der IG Architektur statt.
Herzliche Einladung zur Christmas Bar der IG Architektur am 3. Dezember ab 19:30 Uhr.
Der Vorstand der IG Architektur lädt herzlich zur Christmas Bar 2025 ein. Zum Jahresende möchten wir gemeinsam anstoßen und Raum für Begegnung, Gespräche und neue Perspektiven öffnen.
Wie jedes Jahr markiert dieser Abend einen Moment des Übergangs – zwischen dem, was war, und dem, was kommt. Auch in der IG Architektur vollzieht sich Wandel: Die Programmleitung übergibt an neue Hände. Lasst uns gemeinsam feiern, verabschieden und willkommen heißen.
Kommt vorbei und nehmt Freund*innen, Kolleg*innen und eure Liebsten mit. Wir freuen uns auf euch!
Ort: IG Architektur, Gumpendorfer Straße 63B, 1060 Wien Zeit: Mittwoch, 3. Dezember ab 19:30 Uhr
➔ ig_unterwegs in Graz
ig_unterwegs in Graz
Am 08.10.2025 war die IG Architektur zum wiederholten Mal unterwegs in Graz
steirischer herbst '25 "Never Again Peace". Foto: Rubina Kaiser
Es ist eine bereits liebgewonnene Tradition: Zwei Mal im Jahr begibt sich der Vorstand und das Team der IG Architektur auf Reisen, um auch außerhalb von Wien Mitglieder, Freunde und Interessierte zu treffen, das Netzwerk zu pflegen und zu erweitern. Graz ist aufgrund der zahlreichen interessierten Kolleg*innen immer ein besonderes Highlight!
Zentraler Bestandteil der Reise war auch diesmal das Rahmenprogramm – der Besuch der Ausstellung des steirischen herbst '25 „Never Again Peace“. In einem leerstehenden Fabriksgebäude im Bezirk Gries wurde eine umfangreiche und vielschichtige Schau über eine polarisierte Gesellschaft gestaltet. Besonders bemerkenswert war der Umgang der Ausstellungsgestaltung mit dem bestehenden Gebäude. Das Verweben der zahlreichen künstlerischen Arbeiten mit den verschiedenen Bereichen des Gebäudebestands war sehr gelungen und zeigte auch, wie bestehende Strukturen künstlerisches Schaffen stärken können.
Die offene Vorstandssitzung und die anschließende Open Bar fand dieses Mal in der Kammer der Ziviltechniker*innen statt. Wir bedanken uns sehr herzlich für die großartige Unterstützung und freuen uns über die wieder neu belebte Vernetzung mit den steirischen Kolleg*innen, die so zahlreich vorbeigekommen sind!
HouseEurope! ist mehr als nur eine Initiative. Foto: HouseEurope!
HouseEurope! ist eine eingetragene, gemeinnützige Organisation, die sich für einen grundlegenden Wertewandel im Bausektor einsetzt – sozial, ökologisch und ökonomisch.
Nun sucht die Wanderausstellung „FIX IT! – UMBAU STATT ABRISS“ Platz im öffentlichen Raum und/oder Innenraum mit guter Publikumsfrequenz bzw. sinnvollem Renovierungskontext.
Der Ausstellungsbeitrag könnte ab sofort, für wenige Tage bis zu mehreren Wochen gezeigt werden und Teil einer dezentralen Ausstellungs-Kampagne sein. Besonders interessant wären Orte mit einem Bezug zu sorgfältigem, kritischem und/oder kreativem Umgang mit Bestand.
Diese Orte könnten sein:
Fassadengerüste oder Bauzäune an einem Eurer oder Euch bekannten Projekte
Ein öffentlich gut einsehbarer Raum, an dem Bauzäune aufgestellt werden könnten
Kenn Ihr einen der oben genannten Orte oder könnt einen solchen zur Verfügung stellen? Möchte jemand bei dem Aufbau der Ausstellung mitwirken?
Eisenbeton: Ein Material, das den wirtschaftlichen Aufschwung und die Urbanisierung unseres modernen Lebens eingeleitet und durch rasante Weiterentwicklung zu Stahlbeton eine weltweite Raum- und Strukturproduktion in Gang gesetzt hat. Bis heute scheint Stahlbeton als Garant und Zivilisationsbegleiter unverzichtbar im Bauwesen zu sein. Heute, bei der gemeinsamen Betrachtung von Energie- und Materialströmen, zeigen sich jedoch die Auswirkungen durch eine bedrohliche Ressourcen- und Umweltkrise, die uns nach Alternativen ringen lässt.
Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber weist unermüdlich auf die Notwendigkeit einer globalen Materialwende hin, die von natürlichen Baustoffen wie Holz, Lehm oder Schilf getragen sein muss, um in den nächsten 200 Jahren die nach oben zeigende Temperaturkurve wieder in den vereinbarten Erwärmungsbereich von 1,5 Grad Celsius rückzuführen. Neu, also zusätzlich gebaut, wird dabei in Afrika, das bis zum Jahr 2100 weitere zwei Milliarden Menschen erwartet, und in kleinerem Ausmaß in Südamerika und Asien. In der westlichen Welt ist eine Abkehr von ungebremstem Wachstum und steter Beschleunigung bei steigendem Energieeinsatz erforderlich. Gesamtheitliches Wirtschaften in einer High-Tech-Bioökonomie in bestehenden, aber laufend adaptierten Raumstrukturen wird der neue Standard einer großen Transformation werden, um drohende Kipppunkte des Ökosystems und damit unserer Lebensgrundlage abzuwenden.
Transformationen setzten einen geschichtlichen Zugang zu Bestand voraus. Im Wien Museum gab es dazu jüngst eine tolle Ausstellung und eine gewichtige Buchveröffentlichung. Sie gab Einblicke in den kulturgeschichtlichen Sprung von Wien, um 1870 die viertgrößte Stadt der Welt, begleitet durch den innovativen Einsatz von Eisenbeton und neuartigen Gebäudetypologien, die die moderne Großstadt einläuteten. Otto Kapfinger, Leiter eines Forschungsteams im Wien Museum, hat die Verwendung von Eisenbetons und dessen Bedeutung für die Entwicklung Wiens um 1900 zur Weltstadt eindrücklich in dem umfassenden Werk "Anatomie einer Metropole" aufgespürt.
Wie gehen wir heute mit Bestand um? Zentral ist dabei die Erhaltung der massiven Tragstrukturen als bestehende CO2-Senken. Beton durch Beton zu ersetzen war gestern! Wir sieht die große Transformation dichter Stadt unter Verwendung biogener und natürlicher Baustoffe aus? Siebengeschoßige Gebäude, großteils mit Holz und Lehm gebaut, müssen in Wien, einer der am dynamischsten wachsenden Städte Europas, der neue Standard städtischer Transformation werden.
Seit dem Jahr 2020 ist der globale Bestand der von Menschen gemachten Masse höher als jener der Biomasse. Etwa 90 Prozent davon sind Baumaterialien.
Im Projekt Reverse Imagining Vienna (RIV) nahmen zwei Bildhauer, neun Schriftsteller*innen und zwölf Wissenschaftler*innen ein Wiener Gründerzeithaus und eine Autobahnbrücke über die Donau als Material- und Spekulationsanker, um Perspektiven auf nachhaltige Beziehungen mit unbelebter Materie zu gewinnen.
Die Projektleiter von RIV und die IG Architektur freuen sich, zur Präsentation der abschließenden zweiteiligen Publikation einladen zu dürfen.
Der Abend führt durch den dreijährigen Verlauf des Projektes und bietet Lesungen von literarischen und wissenschaftlichen Texten, Besprechungen von Kunstwerken, Spekulationen über Geologie, Verkehr, Glitches und Massenströme, Wein und Butterbrote.
Projektleitung und Bildhauerei: Christoph Weber & Nikolaus Eckhard
Beteiligte Schriftsteller*innen: Ann Cotten, Elias Hirschl, Jakob Pretterhofer, Julia Grillmayr, Fiston Mwanza Mujila, Neslihan Yakut, Nika Pfeifer, Veronika Franz & Severin Fiala
Beteiligte Wissenschaftler*innen: Angelika Psenner, Barbara Laa, Filipa L. Sousa, Fridolin Krausmann, Jan Zalasiewicz, Johannes Weber, Josepha Edbauer, Michael Wagreich, Peter Fichtinger, Sebastian Hafner, Tanja Traxler, Tess Posch
Gestaltung der Publikation: Peter Oroszlány
Ort: IG Architektur, Gumpendorfer Straße 63B, 1060 Wien Zeit: Montag, 24. November 2025, 18:30 Uhr
Das Projekt Reverse Imagining Vienna wurde ermöglicht durch die Kulturabteilung der Stadt Wien MA7, dem Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport sowie der Universität für angewandte Kunst Wien. Der Abend wird unterstützt vom Bereich Support Kunst und Forschung und der Abteilung Publikation der Universität für angewandte Kunst Wien sowie dem Verlag für moderne Kunst.
➔ Hinweis
Meet the architect!
27. und 28.11.2025, Marx Halle, Wien
Don’t miss out – Tickets jetzt sichern und am 27.–28. November in Wien Architektur neu denken!
Entdecke den RAUM der IG Architektur – Dein urbaner Veranstaltungsort im Herzen Wiens!
Miete den RAUM der IG Architektur für deine Veranstaltung! Foto: Bernhard Wolf
Ob Workshop, Seminar, Konferenz oder Podiumsdiskussion: Der 140 Quadratmeter große, lichtdurchflutete Raum der IG Architektur in der Gumpendorfer Straße 36 B in Wien bietet den idealen Rahmen für Veranstaltungen aller Art.
Viel Platz, gutes Equipment und leistbare Konditionen machen die Räumlichkeiten der IG Architektur zu einer vielseitigen Bühne für Austausch, Lernen und Kultur. Damit auch NPOs profitieren können, bieten wir zusätzlich Kulturtarife an, um eine möglichst breite und vielfältige Nutzung zu ermöglichen.
Die IG Architektur ist eine österreichweite Interessensgemeinschaft von Architekturschaffenden. Sie ist Impulsplattform für die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur und Architekturpolitik.
Die Mailingliste bzw. das Forum ist ein beliebtes Medium der IG Architektur. Über 4.000 Architekturschaffende und Architekturinteressierte kommunizieren hier regelmäßig miteinander