 Auf einem knapp 45.000m² großen innerstädtischen Areal im Grazer Bezirk Jakomini plant die Stadt Graz den Um- und Ausbau der Straßenbahnremise Steyrergasse. Kritisiert wird die Monofunktionalität des Bauvorhabens, aber auch das Vergabeverfahren. Bild © Google Maps.
Petition Stopp und Neustart Verfahren Remise Steyrergasse Von Fabian Wallmüller Die von der IG Architektur und zahlreichen weiteren Architekturinstitutionen und -plattformen unterstützte Petition „Stopp und Neustart Verfahren Remise Steyrergasse, Graz“ ist seit 13.12.2021 online – und zählt bereits über 420 Unterschriften. Diese wurden am 23.12.2021 an die neu gewählte Vizebürgermeisterin Judith Schwentner übermittelt. Erste Erfolge kann die Petition bereits für sich verbuchen: Vizebürgermeisterin Schwentner lässt das Verfahren prüfen und will „aus Sicht der Stadtentwicklung, des Klimaschutzes und der Tram-Kapazitäten das Maximum herauszuholen.“ Die Kammer der Ziviltechniker:innen für Steiermark und Kärnten wiederum will sich für ein offenes Qualitätsverfahren und eine breite, transparente Diskussion einsetzen. Hintergrund der Petition ist ein durch die Holding Graz, eine Tochtergesellschaft der Stadt Graz, ausgeschriebenes Verhandlungsverfahren für die Generalplanung des Straßenbahnbetriebshof Steyrergasse Süd in Graz. Auf einem 44.700m² großen Areal im zentrumsnahen Grazer Bezirk Jakomini soll eine bestehende Remise umgebaut sowie eine neue Straßenbahnremise mit 300 darunter liegenden betrieblichen KFZ-Stellplätzen sowie weitere betriebliche Bauten der Holding Graz errichtet werden. Für das Projekt wurden per einstimmigem Gemeinderatsbeschluss vom Februar 2021 156 Mio. Euro aus öffentlichen Geldern genehmigt. Kritisiert wird nicht nur die monofunktionale Ausrichtung des Bauvorhabens, sondern auch das Verhandlungsverfahren selbst. Der Generalplanerauftrag soll im Bestbieterprinzip nach rein technischen Kriterien vergeben werden, stadtplanerische und architektonische Inhalte werden – abgesehen vom Fassadendesign der Remise – nicht bewertet. Für das Verfahren besteht keine Kooperation mit der Kammer der Ziviltechniker:innen für Steiermark und Kärnten, die Verhandlungskommission ist unbekannt. Die Petition hat nicht zum Ziel die Remise in der Steyrergasse zu verhindern, sondern eine multifunktionale Nutzung des Areals im Sinn einer "Remise Plus" zu ermöglichen, die dem Trend zur effizienten Nutzung wertvoller zentrumsnaher innerstädtischer Räume entspricht. Die Petition kann dabei durchaus als Rückenwind für die inhaltlichen Ziele der neuen Grazer Stadtregierung betrachtet werden: Mehr Nachhaltigkeit, mehr öffentlicher Raum, mehr multifunktionale Gebäudetypologien. Darüber hinaus ist die Stadt Graz aufgefordert, ihrem im „Grazer Modell“ dargelegten baukulturellen Bekenntnis zu entsprechen und die Holding Graz als ihre Tochtergesellschaft mit der Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbs und eines architektonischen Realisierungswettbewerbs für das Areal zu beauftragen. Die Petition wird unterstützt durch: FH Joanneum Masterstudiengang Architektur, Forum Stadtpark, GAT Architektur Steiermark, IG Architektur, LAMA | Das lösungsorientierte Architekturmagazin, TU Graz/ FAKarch, TU Graz/ Institut für Städtebau, TU Graz/ Institut für Wohnbau, ZV Steiermark. Die Petition kann hier eingesehen und unterzeichnet werden. |