Die IG Architektur ist eine seit zwanzig Jahren aktive österreichweite Interessensgemeinschaft von Architekturschaffenden. Sie ist Impulsplattform für die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur und Architekturpolitik und bringt sich regelmäßig in aktuelle Themenstellungen ein.
Brandschutz, Bauphysik, OIB, ÖNORM ... Schlagworte, die einer gesamten Branche Hilfe und Fluch geworden sind.
In Niedersachsen ist bereits eine neue Bauordnung im Entstehen, die auf eine wesentliche Beschleunigung der Verfahren und eine Differenzierung der Bauaufgaben abzielt. Ein Instrument, das auch in Österreich Umbauvorhaben vereinfachen könnte.
Unsere Gesellschaft will viel. Vor allem Ruhe, Sicherheit, Komfort und nicht zuletzt Klimaschutz bestimmen beim Bauen unsere derzeitigen Rahmenbedingungen. Doch sind wir bei allem Wollen noch immer auf dem richtigen Weg?
Die Verfahrensdauer für eine Baueinreichung in Wien liegt mittlerweile bei weit über einem Jahr. Die Gründe dafür sind allgemein bekannt, doch eine strukturelle Veränderung scheint in weiter Ferne zu liegen. Wehe dem, der bei der Bauphysik auch nur eine Nachkommastelle falsch setzt – das Programm weist den Antrag gnadenlos zur manuellen Prüfung zurück. Warum wird das überhaupt geprüft, frage ich mich? An einem schlecht gedämmtem Haus ist noch niemand gestorben. Eine Bestätigung einer*eines zweiten Ziviltechnikers*in, ähnlich dem §70a-Verfahren, wäre doch völlig ausreichend und um ein Vielfaches effizienter.
Und dies ist nur ein Beispiel von vielen. Ich frage mich, wie wir die Klimaveränderung und in diesem Zusammenhang die sinnvolle, vermehrte Inwertsetzung von Bestandsgebäuden verwirklichen wollen. Derzeit machen die Bauordnung und die legistischen Rahmenbedingungen keinen Unterschied zwischen Neubau und Umbau.
Doch was hat dies zur Folge? Vielfach werden Planungen nach Bekanntwerden des auszuführenden Umfangs schlicht auf Eis gelegt. Beplant man einen kleinen Teil eines Objekts, so sind nahezu alle Verbesserungsmaßnahmen betreffend Brandschutz, Barrierefreiheit etc. gemäß gesetzlichen Vorgaben umzusetzen. Es bleibt die Frage, ob jede noch so kleine Verbesserung nicht besser wäre, als die gesamte Fülle an Maßnahmen einzufordern. Ein Mehr an Entscheidungsspielräumen für die Auftraggeber*innen und die Planenden wäre nicht nur wünschenswert, sondern würde den Sanierungsumfang erheblich steigern und dem Gemeinwohl zuträglich sein. Wem nützt der scheinbar perfekte Brandschutz, wenn die strukturelle Verbesserung erst gar nicht gemacht wird? Ein zusätzlich benötigter Kindergartenraum – ebenerdig gelegen, mit Fenstertüren nach außen – scheitert an einer Vielzahl von Auflagen bezüglich der bestehenden Fluchtwege. Sinnvoll?
In Niedersachsen ist derzeit eine neue Bauordnung im Entstehen, die auf eine wesentliche Beschleunigung der Verfahren und eine Differenzierung der Bauaufgaben abzielt. Ich würde mir wünschen, wenn wir in unserer Stadt, die in vielen Belangen – vor allem im Wohnbau – Vorbildcharakter hat, eine ähnliche Dynamik zustande brächten. Dass es in Wien immer wieder herausragende Ideen und Ansätze gab, beweisen auch heute noch die Gebietsbetreuungen und die sanfte Stadterneuerung.
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Veranstaltungsreihe "Leerstand nutzen!"
Möglichkeiten für die Aktivierung von Leerstand in Wien.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Leerstand nutzen" veranstaltet die IG Architektur in Kooperation mit sieben Partnerorganisationen* im Oktober und November 2024 insgesamt drei Diskussionsveranstaltungen, die die Nutzung von Gebäudeleerstand in Wien breit besprechen und als politisches Thema der Wiener Landtags- und Gemeinderatswahl 2025 platzieren sollen.
In der Veranstaltungsreihe wird die Nutzung von Gebäudeleerstand in Wien in Bezug auf drei unterschiedlichen Leerstandstypologien diskutiert: Wohnbau, Erdgeschoß und Gewerbebauten. Diese Leerstandstypologien sollen in je einer öffentlichen Paneldiskussionen thematisiert und deren Nutzung durch Wohnen, soziale und kulturelle Gruppen sowie Kleingewerbetreibende diskutiert werden. Adressiert wird die Erfassung und Nutzung von Leerstand im Gebäudebestand, aber auch die proaktive Integration leistbarer Kultur- und Kleingewerberäume im Neubau als strategisches Werkzeug der Stadtentwicklung.
Paneldiskussion 1/ Leerstand im Wohnbau, 23.10.2024 ab 18:00 Paneldiskussion 2/ Leerstand im Erdgeschoß, 08.11.2024 ab 18:00 Paneldiskussion 3/ Leerstand in Gewerbebauten, 27.11.2024 ab 18:00
Ort: WEST. Alte WU, Festsaal, Augasse 2-6, 1090 Wien
* Partner*innenorganisationen: Allianz für Substanz, Architekturzentrum Wien, IG Kultur Wien, Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien, Kammer der Ziviltechniker*innen für Wien, Niederösterreich und Burgenland, ÖGFA, TU Wien
➔ Hinweis
Open House Wien
Das Architekturfestival öffnet Türen zu 55 Gebäuden und lädt zum 10. Mal zum Entdecken der Stadt ein.
Am 14. und 15. September lädt OPEN HOUSE WIEN dazu ein, faszinierende Architekturprojekte in Wien und Umgebung zu erkunden. Dabei bietet sich die seltene Gelegenheit, Bauwerke zu besichtigen, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Schwerpunktthemen des Festivals liegen heuer bei Holzbauwerken, Freiräumen der Stadt und der Nachnutzung von ehemaligen Betriebsstätten.
Bereits zum 10. Mal lädt OPEN HOUSE WIEN zwei Tage lang Architekturbegeisterte ein zum Blick hinter die Fassaden von beeindruckenden Gebäuden, aber auch zum Besuch neu gestalteter Stadträumen und urbaner Initiativen in Wien und Niederösterreich. Bei freiem Eintritt und ohne Voranmeldung stehen Führungen für die Besucher*innen auf dem Programm, die von Volunteers, Nutzer*innen und Fachpersonen mit jeder Menge Hintergrundwissen abgehalten werden. Im Mittelpunkt des Architekturfestival steht, die Bedeutung von Baukultur in der eigenen Stadt sowie neue Trends hautnah zu erleben, aber auch historische Details und jede Menge Fun Facts zu erfahren.
Termin: Samstag, der 14. und Sonntag, der 15. September 2024 jeweils von 10:00 bis 17:00 Uhr Location: 55 Gebäude in Wien und Niederösterreich
Die IG Architektur ist eine österreichweite Interessensgemeinschaft von Architekturschaffenden. Sie ist Impulsplattform für die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur und Architekturpolitik.
Die Mailingliste bzw. das Forum ist ein beliebtes Medium der IG Architektur. Über 4.000 Architekturschaffende und Architekturinteressierte kommunizieren hier regelmäßig miteinander