Die IG Architektur ist eine seit zwanzig Jahren aktive österreichweite Interessensgemeinschaft von Architekturschaffenden. Sie ist Impulsplattform für die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur und Architekturpolitik und bringt sich regelmäßig in aktuelle Themenstellungen ein.
Die Online-Publikation „openbook: Leerstand nutzen!“ unterstreicht die Notwendigkeit, die Erfassung und Nutzung von Leerstand in Wien politisch in Angriff zu nehmen. Foto: Georg Scherer/ wienschaun.at
Wien wächst, und gleichzeitig stehen Räume für Wohnen, Kultur, Bildung und Gewerbe leer. Die soeben erschienene Online-Publikation „openbook: Leerstand nutzen!“ unterstreicht im Vorfeld der Wiener Landtags- und Gemeinderatswahl 2025 die Notwendigkeit, die Erfassung und Nutzung von Leerstand in Wien politisch in Angriff zu nehmen. Jetzt kostenfrei abonnieren!
Leerstand zu nutzen statt neu zu bauen ist der wichtigste Beitrag des Bausektors zum Klimaschutz. Die Nutzung von Leerstand spart Kosten und ist ein wichtiger Hebel für eine effiziente Ausgabenpolitik der öffentlichen Hand, für leistbares Wohnen und leistbare Räume für kulturelle Gruppen, zivilgesellschaftliche Initiativen, Bildung und Kleingewerbe. Die Nutzung von Leerstand verkürzt aber auch notwendige tägliche Wege, erhöht die Personenfrequenz im öffentlichen Raum und macht diesen attraktiver und sicherer. In Wien wurde Leerstand bislang weder erfasst, noch wurden Maßnahmen zur Nutzung von Leerstand erarbeitet. Allein im Wohnungssektor stehen jedoch mutmaßlich zehn Prozent aller Wiener Wohnungen – das sind 100.000 Wohnungen – leer. Ein enormes Potenzial, das es zu heben gilt – nicht nur in Wohnbauten, sondern auch in Erdgeschoßzonen und Gewerbebauten.
openbook: Leerstand nutzen! Im Herbst 2024 veranstaltete die IG Architektur gemeinsam mit sechs weiteren Wiener und bundesweiten Architektur- und Kulturinstitutionen [1] die von großem Medien- und Publikumsinteresse begleitete, dreiteilige Diskussionsreihe „Leerstand nutzen! Möglichkeiten zur Aktivierung von Leerstand in Wien“. Am 9. April 2025 geht nun die Online-Publikation „openbook: Leerstand nutzen!“ online, die die Ergebnisse der Diskussionsreihe zusammenfasst und laufend um neue Texte von Expert*innen zum Thema erweitert wird. Ziel der Online-Publikation ist es, eine Grundlage zu schaffen, um Maßnahmen zur Aktivierung von Leerstand in Wien fachlich fundiert diskutieren zu können. Im Vorfeld der Wiener Landtags- und Gemeinderatswahl 2025 wird mit „openbook: Leerstand nutzen!“ die dringende Notwendigkeit unterstrichen, die Erfassung und Nutzung von Leerstand in Wien politisch in Angriff zu nehmen: als Hebel für ein leistbares, inklusives und nachhaltiges Wien.
openbook: openbook: ist eine neue Online-Plattform für wachsende, digitale Themenhefte, die laufend um neue Artikel ergänzt werden. Themenhefte können kostenlos abonniert werden, Abonnent*innen werden per E-Mail regelmäßig über neue Artikel informiert und können diese direkt am PC oder auf mobilen Endgeräten lesen. „openbook: Leerstand nutzen!“ ist das erste Themenheft der Reihe.
[1] Die Allianz besteht aus Allianz für Substanz, Architekturzentrum Wien (Az W), Fakultät für Architektur und Raumplanung der Technischen Universität (TU) Wien, IG Architektur, IG Kultur Wien (IGKW), Kammer der Ziviltechniker:innen für Wien, Niederösterreich und Burgenland sowie Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA)
➔ Bericht
Wiener Parteien unisono für Erfassung und Nutzung von Leerstand in Wien
Fabian Wallmüller
Diskussionsveranstaltung "Weiterbauen an der Stadt der Zukunft" am 09.04.2025 im Architekturzentrum Wien. V. l. n. r.: Renate Hammer (Moderation), Selma Arapović (Neos), Peter Kraus (Grüne), Elisabeth Olischar (ÖVP), Dietbert Kowarik (FPÖ), Omar Al-Rawi (SPÖ). Foto: Az W
Großes Publikumsinteresse bei der Diskussionsveranstaltung „Weiterbauen an der Stadt der Zukunft“ am 09.04.2025 im Architekturzentrum Wien. Vertreter*innen aller Wiener Rathausparteien legten ihre Konzepte zur Entwicklung Wiens hinsichtlich Stadtraum, Freiraum und Architektur dar. Neben zahlreichen anderen Themen befürworteten alle Parteien die Erfassung und Nutzung von Leerstand in Wien. Bei der Leerstandsabgabe gibt es Differenzen.
Leerstand in Wien zu aktivieren ist das Gebot der Stunde – für das Klima, für leistbares Wohnen, attraktive öffentliche Räume und kurze Wege im Alltag. Im Rahmen der Diskussionsveranstaltung „Weiterbauen an der Stadt der Zukunft“ am 09.04.2025 im Architekturzentrum Wien befürworteten alle Vertreter*innen der Wiener Rathausparteien (Omar Al-Rawi/ SPÖ, Selma Arapović/ Neos, Dietbert Kowarik/ FPÖ, Peter Kraus/ Grüne, Elisabeth Olischar/ ÖVP) die Nutzung von Leerstand in Wien. Auch für die lange verabsäumte Erfassung des Wiener Leerstands gab es von allen Parteien (die FPÖ war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Podium) ein klares Bekenntnis. Selma Arapovic (Neos) und Elisabeth Olischar (ÖVP) sprachen sich zudem dafür aus, im Rahmen der Erfassung von Leerstand auch die Gründe für Leerstand zu erheben, um Gegenmaßnahmen zielgerichtet setzen zu können.
Differenzierter wurde die Leerstandsabgabe gesehen, zu der eine Verfassungsnovelle von 2024 die Länder nun ermächtigt. Während sich Peter Kraus (Grüne) deutlich für die Abgabe aussprach und auch die SPÖ die Einführung der Leerstandsabgabe in ihrem Wahlprogramm ankündigt, schlagen Neos und FPÖ Anpassungen im Mietrechtsgesetz vor – konkret die Anhebung des Richtwertmietzinses für Wien. Das Mietrechtsgesetz ist allerdings Bundessache. Ob seine Anpassung dort umgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten.
➔ Save the date
Einladung zur Open Bar
07.05.2025, 19:30 Uhr, IG Architektur
Auch im Mai findet wieder die Open Bar in der IG Architektur statt. Grafik: IG Architektur
Herzliche Einladung zur monatlichen Open Bar sowie der Vorstandssitzung der IG Architektur am 07. Mai 2025.
Vorstandssitzung ab 17:00 Uhr / Open Bar ab 19:30 Uhr
Am 07. Mai laden das Team und der Vorstand der IG Architektur alle Mitglieder und Interessierten zur Vorstandssitzung und dem anschließenden Netzwerktreffen – der Open Bar – ein. Wir möchten euch treffen, uns austauschen, euch kennenlernen und einen netten Abend verbringen. Kommt vorbei, wir freuen uns auf euch!
Ort: IG Architektur, Gumpendorfer Straße 63B, 1060 Wien Zeit: Mittwoch, 07. Mai ab 17:00 Uhr
➔ Kommentar
Es brennt! Brand im Inneren der Helmut-Richter-Schule am Kinkplatz
Lukas Schumacher und Johannes Zeininger
Die Helmut-Richter-Schule steht seit 2017 leer. Anfang März müsste im Inneren des Gebäudes ein Brand gelöscht werden. Foto: Manfred Seidl
Am Sonntag, den 9. März 2025 mussten Feuerwehr und Polizei mit einem Großaufgebot ausrücken, um einen Brand im Inneren der Helmut-Richter-Schule am Kinkplatz zu löschen. Über den Umfang der Schäden ist nichts bekannt, in den Medien wurde nicht über den Vorfall berichtet. So haben nur einige wenige Anrainer*innen und Vorbeifahrende Notiz davon genommen.
Bekannt, weil sichtbar sind jedoch die Schäden an der Fassade und im Außenbereich des seit 2017 leerstehenden Schulgebäudes. Mehrere Initiativen von Bürger*innen und Institutionen scheiterten, um den unhaltbaren Zustand zu beenden und dieses richtungsweisende Gebäude der modernen Architektur wieder als Bildungseinrichtung zu nutzen. Durch Petitionen, Symposien und Demo-Lectures vor Ort wurde auf den Missstand hingewiesen.
Auch die Gründe für die Nichtnutzung der Schule sind nicht wirklich klar. Bestandserhaltenden Maßnahmen, eine Verpflichtung aus der Wiener Bauordnung, kam die Stadt Wien als Bestandserhalterin nicht nach. Vielmehr zog sie den Prozess einer möglichen Nachnutzung in die Länge. Eine von den genannten Initiativen angeregte Nutzungsvariante als Sport- und Co-Working-Einheit im Umfeld des Ansiedlungsversuchs der Central European University am Otto-Wagner-Spital kam nicht zustande. Der Richter-Bau litt unter Vandalismus, das Gebäude schien als Freiwild für den Abbruch vorgesehen zu sein.
Dann die Wende. Bei einer Podiumsdiskussion im Architekturzentrum Wien am 26.01.2022 wurde von der der Fachwelt und Vertreter*innen der Stadt Wien in einer fast euphorischen Stimmung das Potential der Helmut-Richter-Schule ausgelotet und Aufbruchstimmung signalisiert. Das Gebäude wurde ab diesem Zeitpunkt gegen Vandalismus abgesichert, um weiteren Schaden abzuwenden. Nicht ganz ein Jahr später wurde der Bau nach langen Verfahren zur Gänze unter Denkmalschutz gestellt. Ein richtungsweisendes Exempel, das die moderne, fragile Architektur der Jahrtausendwende als nationales Denkmal qualifiziert. Das bautechnisch-denkmalpflegerische Neuland und die Herausforderungen für Bauten aus Stahl und Glas, inklusive Klebetechniken und technisch wie energetisch komplexen Systemen sind unübersehbar. Sie leiten im Denkmalschutz unweigerlich neue Perspektiven ein.
Als Antwort auf die Unterschutzstellung lobte die Stadt Wien, vertreten durch die Wiener Standortentwicklung (WSE), im Oktober 2024 ein Konzeptverfahren zur Vergabe eines 99-jährigen Baurechts aus. Dem Sieger sollten die Erhaltungspflichten der Stadt Wien in einer Art Win-Win-Situation übertragen werden. Die Rahmenbedingungen waren so gefasst, dass Rechte und Pflichten zugunsten der Ausloberin erschienen. Bis zum heutigen Tag ist kein Ergebnis des Verfahrens bekannt, obwohl – so heißt es laut Stadt Wien – die abgegebenen Konzepte eine große Bandbreite an möglichen Nutzungen abbilden.
Die äußeren Einflüsse setzen dem Bauwerk mittlerweile immer mehr zu. Neuer Vandalismus ist feststellbar, fast scheint es, als hätte man das Interesse am Gebäude verloren. Die große Stille kommt zurück, nicht nur das Gras wächst. Am Sonntag, den 9. März 2025 bricht im Inneren der Helmut-Richter-Schule am Kinkplatz ungeklärten Gründen ein Brand aus. Dem nicht einmal 30 Jahre alte Schulbau droht nun endgültig das Aus. Eine Geschichte, die in Wien nicht zum ersten Mal erzählt werden kann. Es besteht dringender Handlungsbedarf!
➔ Gastbeitrag
Chance auf Zukunft
Isabella Marboe/ genau!
Die Gemälde in Majolika-Technik des Künstlers Maître Leherb zieren das Foyer der Alten WU. Foto: Isabella Marboe
Schönheit ist sie keine, doch auch sie war einmal der Inbegriff eines modernen Bildungsbaus auf der Höhe seiner Zeit: Die Alte WU am Alsergrund. Auf ihrem Areal steht nun der Bau eines tompodernen Bildungscampus mit 150.000 m² Nutzfläche an. Die „Allianz Alte WU“ kämpft nun um den Erhalt von möglichst viel Bestand.
Nach auffallend langer Bauzeit wurde die Alte WU 1982 mit Pomp und Gloria eröffnet. Maître Helmut Leherb, Schöpfer der riesigen fantastisch-realistischen Fayencen im Foyer kam eigens aus Paris, die Sektkorken knallten. Schon damals gab es 9.900 Studierende in dem Haus, das für 9.000 konzipiert war. Die Überplattung der Gleiskörper des einstigen Franz-Josefs-Bahnhofs, auf der die Alte WU steht, schlug anno dazumal als bautechnische Pionierleistung von Hlawenicka & Partner bis nach Amerika Wellen.
Die Alte WU ist viel besser als ihr Ruf. An ihren langen Seitenflanken sind Terrassen eingeschnitten, rückwärtig führt ein versteckter Weg an kleinen Grünflächen entlang. Die zweigeschosshohe Aula, die das Haus über seine gesamte Länge durchzieht, ist von einer Großzügigkeit, wie sie heute nicht mehr gebaut würde. Die Gänge sind breit, die Materialien hochwertig, Terrazzo am Boden, Sichtziegelmauerwerk aus gebranntem Klinker von einer Qualität, die man sich heute kaum mehr leistet. In ihren besten Momenten atmet sie den zuversichtlichen Geist einer Epoche, die retrospektiv fast selig anmutet. Man glaubte an Fortschritt, Technologie, Wissenschaft, Frieden, Wohlstand für alle und dass sich die Welt zu einem besseren Ort machen lässt. Bestand speichert die Energie seiner Bauzeit und repräsentiert deren Werte. Sein Abbruch ist immer auch die Auslöschung von Geschichte.
In ihren schlechtesten Momenten zeigen die Regelgeschosse enge, niedere, fensterlose Gänge mit vielen Türen, die alle gleich aussehen. Gipskartonwände und abgehängte Decken bilden zwischen den vier Liftkernen mit Sanitäranlagen in der großen, dunklen Mitte ein Labyrinth, das oft in Sackgassen endet. Gäbe es keine Farben in Sektor A, B, C und D, man wäre gänzlich verloren. In dieser lieblosen Eintönigkeit fällt Orientierung schwer, die niedrigen, fensterlosen Räume drücken aufs Gemüt und erschweren die Gemeinschaftsbildung in demselben Maß, wie sie im Foyer florieren könnte.
Die letzten 13 Jahre beherbergte die Alte WU viele Zwischennutzer*innen. Künftig soll an ihrem Standort und dem des einstigen Biologiezentrums der Uni Wien der nächste, topmoderne Bildungscampus entstehen. Der Campus wird der größte in Österreich sein. Auf über 150.000 m² werden die BOKU University, die Universität Wien, eine AHS und HTL angesiedelt, in der ersten Jahreshälfte 2025 wird dafür ein EU-weiter, offener Wettbewerb ausgeschrieben. Es soll ein Leuchtturmprojekt für nachhaltiges Bauen werden. Diesem Ziel widersprechen allerdings Neubau und (Teil)-Abbriss des Bestandes massiv.
Die Alte WU steht nicht unter Denkmalschutz, genau daher ist sie besonders interessant: Sie repräsentiert die meist ungeliebte Masse aller Bauten, die zwischen 1970 und 1995 errichtet wurden und nun ins sanierungsbedürftige Alter kommen. Sie könnte zu einem Referenzbeispiel für den Umgang mit Bauten dieser Art sein. Ihre Ambivalenz, schiere Größe, exponierte Lage und die vielen Erfahrungen von Nutzer*innen machen sie zum Kristallisationspunkt vieler Fragen. Es ist gerade die Alte WU, für die sich die Zivilgesellschaft nun stark macht. Der „Allianz Alte WU“ gelang es, die Notwendigkeit eines Abrisses der alten WU beziehungsweise des Prozentsatzes ihrer Erhaltung im öffentlichen Diskurs zu verankern. Inzwischen hat die BIG die wesentlichsten Fragen der Allianz öffentlich auf ihrer Website beantwortet.
Bei einer Podiumsdiskussion am Institut für Raumgestaltung und Entwerfen an der TU Wien führte Peter Bauer vom Statikerbüro werkraum Wien eindrucksvolle Fakten an. „Bestand zu nutzen ist immer nachhaltiger, als neu zu bauen“, sagt er. „Statisch ist die alte WU höchst effizient. Sie hat eine Grundstruktur von 7,20 mal 7,20 Meter, 16 cm hohe Betondecken und Unterzüge. Die Struktur abzureißen – da rede ich nur vom Massivbau – entspricht eine Äquivalent von 4 Mio. kg CO2. Um das abzubauen, muss ein Wald in der Größe des ersten Bezirks ein Jahr lang frische Luft produzieren.“ Starke Argumente für 120.000 m² Nutzfläche im Altbau, den man zu einem nachhaltigen Vorzeigeprojekt machen könnte. ___
Nicht erst seit dem in London stehenden Hochhaus "Walkie-Talkie" sind die Resultate einer verspiegelten Fassade bekannt: Schmelzende Autos, Brandlöcher in umliegenden Geschäftsauslagen und Reporter*innen, die Spiegeleier auf Gehsteigen braten. Rund 4.000 km vom doch meist verregneten London liegt die Tabuk Provinz in Saudi-Arabien. In der Wüstenregion herrschen im Sommer Höchsttemperaturen von bis zu 46 Grad Celsius. Hier soll die 170 km lange, zu beiden Seiten verspiegelte Linearstadt "The Line" entstehen.
Was klingt wie der nächste Hollywood-Blockbuster, ist in Wahrheit ein Post-Oil-Projekt des Saudischen Kronprinzen und Teil des Megabauprojekts NEOM. Auf deren Homepage liest es sich euphemistisch: "Keine Straßen, Autos oder Emissionen – die Stadt wird zu 100 % mit erneuerbarer Energie betrieben, und 95 % der Fläche werden für Natur erhalten bleiben." Eine steile These, denn bereits der Bau der Stadt würde schweißtreibende 1,6 Milliarden Tonnen CO2 freisetzen. Zum Vergleich: das ist ungefähr 23 Mal so viel, wie Österreich im Jahr 2024 an Emissionen freigesetzt hat. Das Ziel der vermeintlich CO2-neutralen Megacity wird noch fragwürdiger, bedenkt man, dass der gesamte Innenbereich rund um die Uhr klimatisiert werden muss – so übrigens auch das dazugehörige Wüsten-Ski-Resort.
Hinzu kommt die energetische Versorgung der mit knapp 500 km/h durch die Stadt rasenden Schnellbahnen und der leistungsstarken KI, die für die städtische Verwaltung und Schaltung zuständig ist. Und spätestens bei der hoch energieintensiven Entsalzungsanlage, die die Stadt mit Frischwasser versorgen soll und dabei Unmengen an Salzlake produziert, werden die ökologischen Umweltfolgen sichtbar. Die neuesten Entwicklungen in "The Line" weisen darauf hin, dass die Augen durchaus größer waren als der Magen, denn NEOM spricht bereits von einem "Downsizing" des Baus.
Somit könnte man es als gescheitertes Selbstverwirklichungsprojekt abhaken, wäre da nicht noch die Sache mit den Menschenrechtsverletzungen. Blöd ist nämlich, dass genau dort, wo die "Stadt der Zukunft" stehen soll, schon seit Generationen der Howeitat-Stamm zu Hause ist. Ungefähr 20.000 Menschen des Beduinenstamms sollen deshalb zwangsumgesiedelt werden. Der Protest der Howeitat ist groß, NEOMs Durchsetzungsvermögen größer: Bereits einen Todesfall soll es gegeben haben, weitere Todesstrafen gegen unkooperative Howeitat wurden verhängt. Amnesty International und die UN warnen bereits vor dem Projekt – ein Hinweis, der offenbar nicht alle erreicht hat. Auch zwei namhafte Wiener Architekturbüros sind weiterhin beteiligt.
Dass das Projekt mit Begriffen wie „nachhaltig" oder „zukunftsweisend" beworben wird, lässt tief blicken – vor allem in Sachen Begriffsdehnung. Aus welchem Gesichtspunkt auch immer man "The Line" betrachtet: Diese 170 km Größenwahn versagen auf ganzer Linie.
➔ Verein
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Ob Workshop, Seminare, Konferenzen oder Podiumsdiskussionen: Der lichtdurchflutete, 140 m² große Veranstaltungs- und Seminarraum der IG Architektur bieten genau das, was man braucht: viel Platz, gute Ausstattung, und das alles zu leistbaren Konditionen. Zusätzlich bieten wir auch Kulturtarife für NPOs an, um für möglichst viele unterschiedliche Mieter*innen leistbar zu sein.
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Die Mailingliste bzw. das Forum ist ein beliebtes Medium der IG Architektur. Über 4.000 Architekturschaffende und Architekturinteressierte kommunizieren hier regelmäßig miteinander